Glücklich getrennt wer’s glaubt

Nach der Trennung von meinem Mann, nach etwas mehr als zwei Jahrzehnten, fiel mir auf, dass Menschen, denen ich erzählte, wie gut es mir ging und wie glücklich ich war, dies schlichtweg bezweifelten. Obwohl ich das aufrichtig und wie ich finde überzeugend vortrug.

Ich fühlte mich, als würde ich meinem 15-jährigen Sohn von der Existenz des Weihnachtsmanns erzählen, wobei ich ja kein Märchen, sondern eine Wahrheit über mein Leben berichtete.

Wie immer in solchen und ähnlichen Situationen, machte ich mir daraufhin Gedanken über die psychologischen Hintergründe.

Mein erster Gedanke…

An Glück glauben viele einfach nicht. Schon gar nicht im Zusammenhang mit einer Trennung.

Denn sehr viele Menschen begnügen sich mit einem Leben in relativer Zufriedenheit, nicht eingestandener Unzufriedenheit oder offensichtlichem Unglücklichsein.

Nur wenige Menschen haben den Mut zu einem glücklichen Leben.

Das ist nicht verwunderlich, da schon unsere Eltern, Großeltern, Urgroßeltern, Ururgroßeltern usw. ihr Leben auf diese Weise gelebt haben.

Was ihre Partnerschaft oder Ehe anbetrifft sind sehr viele Menschen dann ebenfalls relativ zufrieden, nicht eingestanden unzufrieden oder offensichtlich unglücklich. Dies erscheint ihnen normal und unveränderbar. Ich behaupte, dass relativ wenige Paare glücklich sind. Wobei noch zu klären ist, was Glück mit Partnerschaft zu tun hat. Hier liegt schon ein Denkfehler.

Wer nicht an die Möglichkeit eines glücklichen Lebens glaubt, kann nicht glücklich sein. Das ist, wie wenn ein Hochleistungssportler nicht davon überzeugt ist, seine letzten Rekorde übertreffen zu können. Das kann dann auch nicht funktionieren.

Glück kommt nicht zufällig und schon gar nicht, wenn man nicht daran glaubt.

Am besten stellt man sich Glück auf einem Kontinuum vor, auf dem man sich in beide Richtungen hin- und herbewegen kann. Das eine Ende wäre absolutes Unglück und das andere perfektes Glück, wobei man die Extreme nach beiden Seiten offen lassen kann.

Ein Partner oder eine Partnerin wird einem nicht dabei behilflich sein weiter in Richtung Glück zu kommen (siehe Denkfehler oben). Höchstens man ist auf seinem persönlichen Glückskontinuum schon ziemlich weit vorangekommen. Dann kann man dies mit einem (passenden) Partner/einer (passenden) Partnerin eventuell noch toppen.

Glück muss man alleine erschaffen.

Einen Hochleistungssportler trägt auch niemand über die Ziellinie oder schubst ihn über die Latte.

Aber ich wollte ja eigentlich herausfinden, warum dem Glück nach einer Trennung besonders misstraut wird.

Ganz einfach. Die wenigsten Menschen glauben, dass sie GLÜCKLICHER (siehe Kontinuum) werden KÖNNTEN. Schon gar nicht aus eigener Kraft. Deshalb begnügen sie sich mit dem Status Quo, der dann auch heißt: auf jeden Fall in der Beziehung bleiben. Denn das ist immerhin vertraut. Alles andere kommt einem Sprung ins kalte Wasser gleich. Wenn dann jemand springt und behauptet die Wassertemperatur sei sehr angenehm, wird das als „not possible“ in das bestehende und gefestigte innere Glaubenssystem eingeordnet.

Wer Glück grundsätzlich als erstrebenswert erachtet, sollte einmal prüfen, ob er/sie wirklich an Glück glaubt. Um auf dem persönlichen Glückskontinuum voranzukommen, müssten dann wenigstens kleine Veränderungen gewagt werden, wenn schon nicht ins vermeintlich kalte Wasser gesprungen werden mag. 

Denn Glück muss man wagen und sich erarbeiten, indem man das eigene Leben dauernd gestaltet, unglücklich Machendes aufgibt, glücklich Machendes beibehält und vermehrt und so fort. Und man sich dabei der ständigen Veränderung überlässt…

Wenn Dich das Thema „Glücklich getrennt“ interessiert, findest auf meinem Blog dazu weitere Beiträge.