Unser Planet ist todkrank

Wir haben es derzeit mit dem sechsten globalen Massenaussterben in der Geschichte der Erde – in 4,5 Milliarden Jahren – zu tun, so die Wissenschaft. Dieser dramatisch voranschreitende Verlust an Biodiversität wird durch uns Menschen verursacht und vollzieht sich mit rasanter Geschwindigkeit.

Man könnte daher sagen, die Diagnose ist gestellt. Die Ärzte des Planeten – Biologinnen und Biologen – sind sich einig. Es besteht kein Zweifel mehr.

Unser Planet ist todkrank.

Da der Gesundheitszustand der Erde in direktem Zusammenhang mit dem Überleben der Spezies „Mensch“ steht, dürfen wir getrost auch den Menschen als Patienten mit todbringender Krankheit verstehen. So ist er, wie bei vielen anderen Krankheiten auch, Betroffener und Verursacher zugleich. Als Teil eines komplexen Ökosystems können wir uns die Menschen aber auch wie Krebszellen vorstellen, die sich mit ihrer Zerstörungskraft immer weiter ausbreiten und letztendlich den Tod des Gesamtorganismus und sich selbst herbeiführen.

Wenn Ärzte belastende Diagnosen stellen, reagieren Patient*innen, je nach Persönlichkeit, unterschiedlich. Ich selbst verfalle an diesem Punkt erst einmal in eine „ökologisch verursachte Depression“, eine Art Schockstarre. Ich frage mich, ob denn alles noch Sinn macht, ob es überhaupt noch Hoffnung gibt? Dieser vorübergehende Totstellreflex steht ganz im Gegensatz zur Reaktion des Typus „Kämpfer*in“, der sich der überwältigenden Herausforderung ohne Zögern und mutig stellen will, was auch zu ungezieltem Aktionismus führen kann. Ein weiterer Typus ist der „Verdränger*in“, die sich noch nicht einmal aus der Ruhe bringen lässt, wenn Venedig ein Jahrhunderthochwasser erlebt, in Australien über Monate Wälder brennen, dabei 1,25 Milliarden Tiere verenden und es in der Pfalz in diesem Jahr keinen Eiswein gibt.

Egal wie die Reaktion ausfällt, ob wir erstarren, hektisch von einer Demo zur nächsten eilen oder uns einreden, dass es schon wieder werden wird, es irgendwer sicher richtet, ändert das nichts an der Tatsache, dass die Menschheit auf einen Abgrund zusteuert.

Eigentlich bräuchte es jetzt den gemeinsamen Kraftakt, die kollektive Höchstanstrengung – eine Art REVOLUTION der Menschheit, wie sie bisher nie dagewesen ist. Wir müssten alles hinterfragen, was bisher selbstverständlich war. Wir müssten alles neu denken. Die Diagnose ist eindeutig. Diese Krankheit heilt nicht von alleine aus.

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